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Kleingewerbe 19

Andere Länder, andere Sitten. Da ist auch das Schlachtergewerbe für den Vegetarier interessant. So bummelte der Tourist durch die Strassen in Madaba und staunte mal wieder 😉 Man kam schnell in’s Gespräch. „Ist es in Deutschland anders?“ wollte er wissen.

„Ein wenig schon. Bei uns liegt das Fleisch fertig zerteilt im Kühltresen und nicht hängendes Empfangskomitee vor’m Laden.“ Er wirkte verunsichert. „Dann sieht der Kunde ja überhaupt nicht das Tier, von dem die Stückchen stammen“.

„Nö, der Deutsche guckt in die Auslage und ordert“.  Er dachte kurz nach und schüttelte den Kopf. „Nein, das könnte ich meiner Kundschaft nicht zumuten. Die wollen immer ganz genau wissen, von welchem Tier das Fleisch kommt. Bei anonymen Fleischbrocken könnte ich den Laden dicht machen“.

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23 Antworten

  1. “Dann sieht der Kunde ja überhaupt nicht das Tier, von dem die Stückchen stammen”

    Tja, traurig aber wahr! Leider interessiert es in Deutschland die wenigsten wie Ihr oft tägliches Stück „Luxus“ produziert wird oder wo es herkommt.
    Ob halt oben immer die hygienischen Umstände gut sind, sei einmal dahin gestellt. Es wäre aber besser, wenn wir viel mehr wüssten wo unsere Nahrungsmittel herkommen.

    13. Februar 2015 um 08:57

    • Da gebe ich dir völlig recht. Aber hierzulande entscheidet leider nur der Preis. Viele Menschen wissen auch nicht mehr wie ein gutes Stück Fleisch zu schmecken hat. Die hygienischen Umstände sind auch bei uns oft katastrophal, sonst würde man nicht so viel Antibiotika unters Viehfutter mischen. 😦
      LG kiki

      13. Februar 2015 um 22:50

  2. Hihihi, fantastische Geschichte – und tolle Bilder. Die Situation kenn ich: https://docugraphy.wordpress.com/2014/11/20/muslimischer-markt-muslim-market-harar-ethiopia/
    Tja, so genau will es der degenerierte (ich denke, das ist das richtige Wort) Deutsche eben nicht wissen. Und überhaupt: alles, was bei Fleisch zählt, ist der Preis, und der muss nahe Null liegen, so liebt der Deutsche sein Fleisch / seine Lebensmittel. Ich allerdings finds vertrauenserweckend, wenn ich dem Vieh vorher mal in die glasigen Augen schauen durfte 😉

    13. Februar 2015 um 10:36

    • Da gebe ich Dir absolut recht. Wenn ich einkaufen gehe und sehe was die meisten Leute in den Einkaufswagen packen dann würde ich das Wort Lebensmittel durch das Wort Nahrungsmittel ersetzen.
      Beste Güsse, Gilles

      13. Februar 2015 um 15:49

      • Ich kann euch Beiden da nur zustimmen. Man sollte den Leuten hier öfters zeigen, wie die Viecher aussehen, bevor sie zur Schlachtbank geführt werden. Da sollte einem eigentlich von selbst der Appetit vergehen. Das Schlachten selbst ist ja hier schon oft eine Perversion für sich, da das Tier nicht immer richtig getötet wird. Aber der Deutsche ist wohl auch Weltmeister im Ignorieren. Antibiotika, Chlorhühnchen, resistente Keime… wenn der Preis stimmt, ist die Qualität wohl egal 😦 Der ekelt sich eher vor Bildern wie diesen und meint dann, daß er in solchen Ländern kein Fleisch essen würde…

        13. Februar 2015 um 23:22

  3. anonyme fleischbrocken… das sitzt!

    13. Februar 2015 um 11:45

    • Stimmt. Er war echt ein wenig verwirrt, für ihn ist Deutschland mit Qualität verbunden, schließlich wird hier Mercedes Benz gebaut ( jordanische Worte) Das bei den Lebensmitteln das Gespür abhanden gekommen ist, damit kam er nicht klar 😀
      LG kiki

      13. Februar 2015 um 23:28

      • das finde ich wirklich „erleuchtend einleichtend“. ich bin zwar kein vegetarier, aber verzichte ich oft auf fleisch. selber kaufe ich mir eigentlich nie welches, höchtens komme ich damit sonntags bei oma einmal die woche mit in berührung. 🙂

        14. Februar 2015 um 12:10

  4. Hallo Kiki,
    Humor ist wenn man trotzdem lacht :-). Ich finde das ein Klasse Beitrag und bin (trotz Fleischverkauf) ganz bei dem Verkäufer/Metzger. Man müsste in einem System leben in dem das Gute von beiden Welten (der traditionellen und unserer modernen) zur Geltung kommen würde. Mir gefällt dass Du die Fotos ganz natürlich belassen hast.
    LG Gilles

    13. Februar 2015 um 15:42

    • Moin Gilles,
      ich fand die Beiden echt witzig, mit ihren besudelten Klamotten 😀 Da die Farben dezent wirken, hab ich das Bild einfach so belassen. Es wäre besser für uns alle, wenn man ein wenig Verzicht üben würde. Gutes Fleisch bekommt man auch bei uns, aber die Anbieter sind sehr übersichtlich. Die meisten Menschen sind zu faul und kaufen dann alles im Supermarkt. Ist einfacher. Ich bin auch der Meinung, daß man nicht jeden Tag Fleisch auf dem Tisch haben muß. Auch das kann man sich in der Fremde abgucken. Hätte ich nicht ab und zu zum Schafskäse und Joghurt gegriffen, wär’s ein veganer Urlaub geworden. Mir hat nichts gefehlt 🙂
      LG kiki

      13. Februar 2015 um 23:12

  5. Allein bei der Hose und den Schuhen von den Jungs würden Gewerbeaufsicht, BG, Ordnungsamt und Gesundheitsamt sofort gemeinschaftlich Amok laufen 😀
    Gruß
    Stefan

    13. Februar 2015 um 18:49

    • Jau! Aber so sieht ehrliches Schlachterhandwerk aus. Ich fand die blutgetränkten Kleidungsstücke echt cool!
      LG kiki

      13. Februar 2015 um 22:52

  6. blauerfuchs

    ich hätte gerne auch so ein glückliche fleisch gegessen 😉

    13. Februar 2015 um 21:32

    • Ich mag kein Fleisch, aber meine Freundin hat öfters ein Stück gegessen. Es war sehr lecker, schön zart soll es gewesen sein und natürlich spielen auch die Gewürze eine Rolle. Kochen können die dort 🙂
      LG kiki

      13. Februar 2015 um 22:57

      • blauerfuchs

        🙂

        15. Februar 2015 um 17:45

  7. Großartig! „Where did you go last night?“ – und der Typ tritt mit Tierteilen in der Hand aus den Tiefen eines Fleischerwagens hervor … Stolz scheint er zu sein. Und sich zu freuen, dass Du ein Bild machst. Die Geschichte dazu ist wunderbar. Gruß – KUM

    14. Februar 2015 um 13:25

    • Er hätte an diesem Tag kein anderes Shirt tragen dürfen 😉 So gibt es noch einen Schmunzler extra. Die waren total nett und freuten sich über mein Interesse. Ich war eigentlich nur auf ein Bild mit den hängenden Schafen aus, mir gefiel auch die Zigarette. Nachdem ich den Chef abgelichtet hatte, tönte es aus dem Kühlwagen…
      LG kiki

      14. Februar 2015 um 22:27

      • Du wärest eine gute Reporterin! Gruß – KUM

        15. Februar 2015 um 13:28

        • Oder besser: Du bist es 😉

          15. Februar 2015 um 13:31

          • Du kannst dir sicherlich vorstellen, daß ich ein großer Fan von Steve McCurry bin 😉 Nicht, daß ich es jemals auch nur ansatzweise auf sein Niveau bringe, eigentlich ist es schon anmaßend diesen Fotografen hier zu erwähnen, aber mich interessieren einfach diese kleinen Begegnungen. Seine Aufnahmen und Geschichten find ich toll, aber seinen Job möchte ich nicht machen. Da bleibe ich lieber im kuscheligen Bremen.

            17. Februar 2015 um 00:25

            • Auf jeden Fall hast Du dir ein gutes Vorbild gesucht. Dem kann man auch in Bremen und von Bremen aus nacheifern!

              17. Februar 2015 um 12:07

  8. Moin Kiki, da ist was dran an seinen Überlegungen. Nachvollziehbar. Ich kenne das ja aus Hongkong auch so oder so ähnlich.

    Übrigens, wenn ich mir eine Anmerkung zu deinem Vorbild erlauben darf: Du brauchst gaaanz viele und leuchtende Farben :-D, dann klappt es auch mit dem Look. 😉

    LG, Conny

    23. Februar 2015 um 20:17

    • Moin Moin Conny,
      Hongkong ist allerdings noch eine Nummer „schräger“ was das Angebot angeht, aber auch dort haben die Menschen andere Ansprüche als hierzulande. Da wird das Angebot doch ein wenig kritischer geprüft und das ist auch gut so. McCurrys Bilder leuchten, da hast du völlig recht. Ich stöbere gerne auf seiner Seite herum, seine Nähe zu den Menschen und den Blick für ihren Alltag ist einmalig und das zeichnet ihn auch aus. Er liefert natürlich auch Eindrücke, die für den Betrachter sehr schwer zu fassen sind. Bilder einer unfassbaren Brutalität aus den Krisengebieten der Welt. Ich denke er ist zu Recht einer der besten Reportagefotografen der Gegenwart.
      LG kiki

      23. Februar 2015 um 21:13

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